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Der König und der Holzsammler

Was wahren Reichtum ausmacht

Und wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu. Noch einige Tage bis zum Weihnachtsfest und bis Silvester. Alles im Job soll noch erledigt sein, die letzten Weihnachtseinkäufe getätigt, damit wir endlich unseren wohlverdienten Weihnachtsurlaub antreten können.

Vor einigen Tagen ist mir eine spanische Geschichte untergekommen, die mich zum Innehalten und Nachdenken gebracht hat. Diese Geschichte möchte ich auch Ihnen als kleines Weihnachtsgeschenk und zum Jahresabschluss „schenken“.

Eines Tages beschloss der König, sich als reisender Kaufmann zu verkleiden, um sich im Volk umzuhören – damit er besser regieren könne, denn er war ein weiser und gütiger König. Er traf auf Geizkrägen und Betrüger, auf Großherzige und Rechtschaffene, auf Arme und Reiche, auf Kluge und Dumme. Nachdenklich geworden, machte sich der König auf die Heimreise.

Da kam er an eine Hütte im Wald, in dem ein armer Holzsammler mit seiner Familie wohnte. Der König, der als reisender Kaufmann gekleidet war, bat um Wasser, Brot und ein Bett für die Nacht, und es wurde ihm gerne gewährt. Abends saß er mit dem armen Holzsammler vor der Hütte. Der holte ein wenig Brot, Wein und Käse aus der Speisekammer und sie sprachen lange miteinander. Der König stellte fest, dass der Holzsammler ein kluger gebildeter Mann war, und er wunderte sich, dass er in solcher Armut lebte. Und so fragte er ihn, wie er denn seinen Tag so verbringe.

„Nun“, antwortete der Holzsammler. „Das ist schnell erzählt. Ich gehe morgens in den Wald und sammle eine große Kiepe Holz. Dafür bekomme ich ein paar kleine Münzen und kann Brot, Wein und Käse kaufen. Dann spiele ich mit meinem Sohn, wir besuchen Freunde, trinken ein Gläschen Wein und singen gemeinsam, und wenn die Sonne schön warm scheint, sitze ich vor dem Haus und lese ein bisschen. Und abends liebe ich meine Frau.“

Der König runzelte die Stirn. „Aber warum gehst du nicht noch einmal in den Wald und sammelst mehr Holz?“

„Warum denn das?“ fragte der Holzsammler erstaunt.

„Nun sieh: Dann bekommst du mehr Geld. Und dieses zusätzliche Geld kannst du sparen. Dann kannst du einen Gehilfen anstellen und verdienst noch mehr. Wenn du genug verdient hast, kannst du ein Haus in der Stadt beziehen und das Brennholz von Holzsammlern ankaufen und teurer verkaufen, und schließlich wirst du ein reicher Kaufmann sein, der vielleicht sogar mit dem Königshaus handelt und wer weiß? Möglicherweise vom König als Holzlieferant bestellt!“

Der Holzsammler schloss kurz die Augen und dachte angestrengt nach. Dann schüttelte er den Kopf und sagte: „Ich verstehe euch nicht, lieber Herr.“

„Nun“, sagte der König etwas unwirsch. „Das ist doch klar. Du kannst doch ganz leicht eine hohe Stellung erreichen. Und hast du das – ja, dann kannst du tun, was du willst! Dann kannst du alles kaufen, hast Zeit mit deinem Sohn zu spielen, deine Freunde zu besuchen, ein Gläschen Wein zu trinken und wenn die Sonne schön warm scheint, kannst du in deinem Garten sitzen und lesen. Und abends liebst du deine Frau.“

Da lächelte der arme Holzsammler, klopfte dem König freundschaftlich auf die Schulter und sprach: „Mein Lieber, ich glaube du hast schon ein Gläschen Wein zu viel getrunken. Geh zu Bett.“

Als der König des Morgens aufbrach, hatte er ein großes Lächeln auf dem Gesicht, denn er wusste jetzt, was wahrer Reichtum ist.

 
Ihr
Ralf Springer
 
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