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Wertschätzung – „und“ ist das bessere „aber“

Eines der folgenden beiden Szenarien haben Sie sicher schon selbst erlebt.

A) Rede des Managing Directors auf der Weihnachtsfeier:

„Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ich danke Ihnen für Ihren Einsatz in diesem Geschäftsjahr … wir sind stolz Mitarbeiter wie Sie zu haben … Sie sind unser Kapital … ohne Sie wäre das hier alles gar nicht möglich. Aber ich muss auch erwähnen, dass nicht alles in unserem Unternehmen rund läuft … wir unsere Umsatzziele verfehlt haben und in Sachen Produktivität deutlich zulegen müssen…“

B) Mitarbeitergespräch:

„Herr Kaiser, Sie wissen ja, dass wir Sie seit Jahren sehr schätzen und mit Ihrer Leistung zufrieden sind. Aber leider ist Ihr Neukundenumsatz nicht zufriedenstellend…“

Spüren Sie die Wertschätzung die den Mitarbeitern in A)+B) entgegengebracht wird? Nicht? Ich auch nicht! Woran liegt das, wenn doch ausreichend Worte wie „stolz“, „schätzen“ oder  „zufrieden“ verwendet wurden. Es gibt zwei Gründe:
 

1.) Die Wertschätzung muss individuell erfolgen.

Menschen fühlen sich bei verallgemeinertem Lob nicht angesprochen. Bei verallgemeinerter Kritik jedoch umso mehr. Wenn der Managing Director für den Einsatz dankt, denken sich die meisten „Wen meint er damit? Alle? Außerdem nennt er meinen faulen Kollegen mit mir in einem Atemzug. Also kann das nur eine Floskel sein!“ Spricht er jedoch von der Verfehlung der Umsatzziele, versetzt das jedem Vertriebsmitarbeiter einen Stich, der sein Jahresziel nicht gerade deutlich übertroffen hat. Ähnlich bei „stolz“ versus „zulegen in Produktivität“. Lieschen Müller denkt sich „Mein Vater war schon nicht stolz auf mich. Wie soll es dann mein Chef sein?!“

Drücken wir den Reset-Knopf und geben den beiden nach einem erfolgreich absolvierten Kommunikations- oder Führungskräfte-Training eine zweite Chance.

A) „Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ich danke Ihnen für Ihren Einsatz in diesem Geschäftsjahr. Besonders erwähnen möchte ich hier die Auftragsbearbeitung mit ihrer Teamleiterin Annegret Schneider. Immer wieder konnte ich mich auch persönlich von der akribischen, fachlich kompetenten und freundlichen Arbeitsweise selbst überzeugen, die Sie alle leisten. Damit haben Sie es geschafft unsere Aufträge selbst in Zeiten wie diesen schnell und zuverlässig abzuwickeln. Bedanken möchte ich mich weiterhin bei … (dann wieder konkret und individuell) usw. Und gleichzeitig ist es uns nicht in allen Bereichen gelungen unsere Ziele zu erreichen. So haben wir z.B. unsere Umsatzziele nicht erreicht…“.

B) „Herr Kaiser, an dieser Stelle Danke für 5 Jahre Zielerreichung in Folge. Mit Ihrer empathischen Art sind Sie ein Vorbild wie man Neukunden zu treuen Bestandskunden macht und sie langfristig ans Unternehmen bindet. Toll. Und gleichzeitig sind Neukunden ein wichtiger Faktor für unser Unternehmen. Wie schätzen Sie das in Ihrem Bereich ein?“…

Ohne aufzulösen wie A) weitergeht oder man bei B) nun fragend zur Neukundengewinnung gelangt, erneut meine Frage von oben: Spüren Sie nun Wertschätzung in den ersten Teilen? Schon deutlich mehr, oder?! Den 1.Grund dafür haben Sie mit der individuellen Wertschätzung bereits kennen gelernt. Fehlt noch…
 

2.) Streichen Sie das Wort „aber“ aus Ihrem Vokabular und ersetzen es durch „und“.

Alles was Sie an Wertschätzung vermitteln wollen – mit einem einzigen Wort namens „aber“ machen sie es schlagartig zu Nichte. Ersetzen Sie es durch ein „und“, ggf. erweitert um „und gleichzeitig“. Und schon wird das was sie entgegnen oder ggf. sogar als Kritik äußern wollen für den Gegenüber besser nehmbar und schmälert das vorher Gesagte nicht.
 

Tipp: Testen Sie es gleich bei nächster Gelegenheit im Privatleben, z.B. mit Ihrem Partner.

Mann: „Lass uns dieses Jahr an die Nordsee in den Urlaub fahren!“

Frau: Aber wir wollten doch in den Süden!“

Dieses Gespräch würde mit beidseitigen Rechtfertigungen für den jeweiligen Urlaubsort weitergehen – und nicht selten vielleicht sogar im Streit enden. Würde die Frau sagen „Hmm, und gleichzeitig wollten wir auch mal wieder in den Süden.“ steigt die Wahrscheinlichkeit, dass nun ein sachliches Abwägen beider Urlaubsdomizile erfolgt.

Viel Erfolg – auch bei Ihrer Urlaubsplanung – wünscht Ihnen

Ihr
Bernd Erhardt

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