Wie wir Gen Z am Telefon überzeugen –

… wenn wir sie kalt anrufen!

Sie rufen an. Einfach so. Ganz klassisch. Ohne Vorwarnung, ohne „Ich vernetze mich vorab auf LinkedIn“, ohne digitales Streicheln des Algorithmus. Ein richtiger Cold Call eben. Am anderen Ende hebt eine 28-jährige Entscheiderin ab, die nebenbei drei Tabs offen hat, zwei Deadlines im Nacken und trotzdem erstaunlich klar im Kopf ist.

Und nein – die Gen Z bekommt keinen Schock, nur weil ein Telefon läutet. Die sind ja auch nicht aus Zucker. Aber sie haben ein sehr feines Sensorium für eines entwickelt: Relevanz. Oder eben deren Abwesenheit. Denn wer heute verkauft und „bei der Zielgruppe“ anruft, landet immer öfter bei Entscheider:innen aus der Gen Z. Und die ticken eben mal anders als der 58-jährige Geschäftsführer, der noch gelernt hat: „Wenn’s läutet, hebt man ab.“

Erste Wahrheit: Du störst!

Ein Cold Call ist per Definition eine Unterbrechung. Und Gen Z ist permanent mittendrin in einem Dauerstrom von Reizen. Das heißt: Wenn du anrufst, konkurrierst du nicht nur mit Mitbewerbern. Du konkurrierst mit 14 offenen Tabs, drei Slack-Nachrichten und einem halbfertigen Reel. Wenn du also startest mit: „Guten Tag, ich wollte Ihnen kurz unser Unternehmen vorstellen …“, dann hast du ungefähr die Überzeugungskraft und Attraktivität eines Faxgeräts.

Zweite Wahrheit; Relevanz schlägt Rhetorik

Gen Z ist extrem schnell im Filtern. Sie spürt in Sekunden, ob etwas Substanz hat oder Zeit kostet. Was also nicht funktioniert:

  • Lange Einleitungen
  • Titelparaden
  • Unternehmensgeschichte seit 1987

Was hingegen gut funktioniert ist „3-K“:

  • Kontext
  • Klarheit
  • Konkreter Nutzen

 

Beispiel – nicht perfekt, aber besser: Ich rufe Sie an, weil viele HR-Teams aktuell Schwierigkeiten haben, Gen-Z-Talente länger als 18 Monate zu halten. Meine Frage ist: Ist das bei Ihnen auch ein Thema – oder sind Sie da entspannter unterwegs?

Kurz. Relevant. Augenhöhe. Unbedingt mit einem breiten Lächeln! Und ja, ein kleiner Hauch Humor schadet nie.

Dritte Wahrheit: Verkauf ohne Druck!

Gen Z reagiert sensibel auf Manipulation. Druck, künstliche Verknappung oder „Nur-heute-noch“-Rhetorik passen einfach nicht mehr, oder zumindest nur mehr so gut wie ein Kassettenrekorder im BYD.

Was hingegen gut funktioniert ist „TEE“:

  • Transparenz
  • Ehrlichkeit
  • Entscheidungsfreiheit

 

Also ein Satz wie „Inwieweit haben Sie Interesse, mal auszuloten, wo die Reise hingehen kann. Zum Beispiel nächste Woche am …“ Das ist nicht schwach. Das ist stark.

Tempo bitte!

Diese Generation kommuniziert schneller. Wenn du am Telefon redest wie eine Sonntagsansprache, bist du gedanklich schon längst weg vom Fenster. Das bedeutet nicht hektisch sprechen, aber klar, direkt und ohne barocke Blähformeln. Gen Z liebt nämlich Effizienz. Wenn sie merkt, dass du vorbereitet bist, steigt der Respekt. Wenn sie merkt, dass du improvisierst wie beim Dorffest-Moderieren – eher weniger.

Augenhöhe statt Hierarchie

Ein wirklich häufiger Fehler älterer VerkäuferInnen ist das Sprechen in einem leicht belehrenden Ton so nach dem Motto „Ich möchte Ihnen erklären, wie das funktioniert.“ Bitte nicht. Gen Z ist selbstbewusst, gut informiert und oft fachlich stark. Sie will bestimmt keinen Klugscheißer. Sie will einen Sparringpartner. Besser: „Was haben Sie bisher ausprobiert?“, „Wo stoßen Sie aktuell an Grenzen?“, „Was wäre für Sie eine wirklich brauchbare Lösung?“

Fragen schlagen Monologe. Immer.

Und jetzt kommt das Entscheidende – Gen Z kauft nicht nur Produkte. Sie kauft Haltung. Wenn du authentisch bist, klar positioniert und nicht versuchst, dich künstlich zu verjüngen („Hey, voll nice, was ihr da macht!“ – bitte ersparen), dann funktioniert es. Du musst nicht klingen wie 25 … oder gar wie 12 („No Offence Bruda, das ist voll low key“) … Nein, Du musst nur klingen wie jemand, der weiß, wovon er spricht. Und ja – ein bisserl Schmäh darf sein, nur bitte dosiert. Wir sind im Business, nicht beim Heurigen.

Was Gen Z am Telefon wirklich überzeugt:

  1. Relevanz in den ersten 20 Sekunden
  2. Ehrliche Gesprächsführung
  3. Keine Zeitverschwendung
  4. Klarer nächster Schritt

Und ganz wichtig: Ein echtes Interesse am Gegenüber. Diese Generation ist es gewohnt, durch Algorithmen analysiert zu werden. Wenn plötzlich ein Mensch am Telefon wirklich zuhört – ist das fast schon ein Wettbewerbsvorteil.

Fazit

Der Cold Call lebt. Eben nur anders. Wer heute die Gen Z kalt anruft, braucht weniger Show – und mehr Substanz. Weniger Druck – und mehr Dialog. Weniger „Ich will verkaufen“ – und mehr „Ich will verstehen“. Der gute alte Cold Call ist nicht tot. Er ist nur anspruchsvoller geworden.

Und wenn wir ehrlich sind: Das ist vielleicht gar nicht so schlecht, denn am Ende überzeugt nicht der Lauteste. Sondern der Klarste.

Ihr Dr. Rudolf Hausegger, VBC-Trainer

Expertentipp, Kundenakquise, Mindset, Telefonakquise

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